An(ge)dacht zum Reformationstag, den 31. Oktober 2021

von Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

Psalm 46:

Ein feste Burg ist unser Gott

2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. 3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, 4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. 5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. 6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. 7 Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. 8 Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. 9 Kommt her und schauet die Werke des Herrn, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, 10 der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. 11 Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will mich erheben unter den Völkern, ich will mich erheben auf Erden. 12 Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Liebe Leserin und lieber Leser,

31. Oktober, Reformationstag: Viele Menschen ver-binden damit Martin Luther, die 95 Thesen, die Er-eignisse in Wittenberg 1517. Oder auch das bekannte Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“, das Luther nach Psalm 46 gedichtet hat, seinem Lieblings-psalm.

Bei meinen Konfirmand*innen ist Martin Luther und die Reformation ein beliebtes Thema. Wir haben seine Lebensdaten und die biografischen Ereignisse gesam-melt und stellten fest:

Oft wird behauptet, Martin Luther sei ein Held. Mit seinem starken Willen hat er viel erreicht für die Kirche. Könnten wir ihn heute selber fragen, dann würde er wohl widersprechen: „Nein, ich bin kein Held! Ich habe nur offen und ehrlich meine Meinung gesagt und bin meiner Überzeugung treu geblieben. Ja, das stimmt. Doch in jungen Jahren fühlte ich mich oft klein und schwach mit meinen unbeantworteten Fragen und meinen Zweifeln an dem strengen Gott.“ Er konnte nicht begreifen, warum vieles in der Welt ungerecht ist. „Wie kann Gott das zulassen? Hat er die Menschen wirklich lieb? Hat er mich lieb? Wie be-komme ich einen gnädigen Gott?“ fragte er sich.

Luther muss ein gewissenhafter Mensch gewesen sein. Wenn er von etwas überzeugt war, konnte ihn niemand so schnell davon abbringen. Er scheute sich nicht vor Auseinandersetzungen, überliefern Zeitgenossen. Sogar gegen den Papst begehrte er auf und konfrontierte ihn mit seiner Kritik gegen das Ablasswesen und den Bau des Petersdoms. Oder bei den Streitigkeiten über das Abendmahl. Luther war nicht auf den Mund gefallen und hatte starke Argumente.

„Jemand, der wirklich auf Gott vertraut, ist erlöst und gerettet:“ Das war seine Überzeugung. Martin Luther hinterließ ein privates Testament, das nach seinem Tod in Kraft treten sollte. Am Schluss nennt er, sozusagen als Summe seines Lebens, drei Punkte, die er seiner Frau und seinen Nachkommen mit auf den Weg gibt: Gott vertrauen, Gott bezeugen, Gottes Wahrheit weitersagen.

Es ging ihm nicht in erster Linie um sein eigenes Leben und das seiner Nachkommen. Sondern darum, auf Gott und auf Jesus Christus hinzuweisen. An dieser Hinterlassenschaft arbeitete er lebenslang.

Es heißt, dass Luther noch etwas hinterlassen hat. An seinem Todestag, dem 18. Februar 1546, soll ein Vertrauter auf dem Schreibtisch neben dem Sterbebett einen Zettel gefunden haben, auf dem stand: “Niemand soll glauben, dass er die Heilige Schrift genug geschmeckt habe. Wir sind Bettler, das ist wahr.”

Niemand hat die Heilige Schrift genug geschmeckt. Im Vergleich mit Gott sind wir Bettler, ja.

Aber Gott braucht uns trotzdem. Schon die kleinste gute Tat kann sich verbreiten, kann Menschen anstecken und für den Glauben begeistern. Schon die kleinste gute Tat kann für einen Menschen ein Rettungsanker sein. Wenn es gelingt in unserem Leben Gottes Wahrheit weiterzusagen, zeigen auch wir auf Gott und auf Jesus Christus.

Gott bekennen, Gott bezeugen, und Gottes Wahrheit weitersagen: das war Luthers Leben und sein Vermächtnis. Jede*r kann diese Art von christlicher Nachfolge auch zu seinem uns ihrem Vermächtnis machen. Das gibt dem Leben Sinn und Zweck.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Ihr Pfarrer Andreas Smidt-Schellong

Ein feste Burg ist unser Gott

1. Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.

Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.

Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint; groß Macht und viel List

sein grausam Rüstung ist, auf Erd ist nicht seinsgleichen.

2. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;

es streit‘ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.

Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth,

und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.

3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,

so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.

Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt, tut er uns doch nicht;

das macht, er ist gericht‘: ein Wörtlein kann ihn fällen.

4. Das Wort sie sollen lassen stahn und kein‘ Dank dazu haben;

er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben.

Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin,

sie haben’s kein‘ Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben.

EG 362 Text und Melodie: Martin Luther 1529

Bild:

Luther-Denkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg