An(ge)dacht zum Taufgedächtnissonntag, dem 6. Sonntag nach Trinitatis, am 7. Juli 2024

Der auferstandene Christus spricht:
„Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Liebe Getaufte,

feiern Sie eigentlich Ihren Tauftag? Viele feiern ihren Geburtstag. Katholische Mitchrist*innen feiern zum Teil ihren Namenstag. Aber ich kenne nur wenige Menschen, die ihren Tauftag feiern, wenn sie ihn denn überhaupt wissen.

An diesem 6. Sonntag nach Trinitatis erinnern wir uns alle gemeinsam an unsere Taufe. Wir erinnern uns daran, dass wir Getaufte sind und dürfen das gemeinsam feiern.

Aber was verbinden wir mit unserer Taufe? Welche Erzählungen werden wach?

Wir wissen vielleicht um das Fest und die Gäste, aber das hat heute keine Bedeutung mehr. Wir wissen vielleicht um die Gemeinde und die Kirche, in der das damals geschah. Aber haben wir noch Verbindung dahin? Wir wissen, dass die Taufe die Aufnahme in die Gemeinde, in die Gemeinschaft der Gläubigen ist, aber spüren wir das in unserem Leben?

Viele haben ein längeres oder auch langes Leben hinter sich. Sie haben gute, aber auch sehr schlechte Zeiten durchlebt. Und nun haben einige das Sterben und den Tod vor Augen. Was nützt es da, getauft zu sein?

Als Auferstandener kommt Jesus einige Male zu seinen Jüngern. Am Ende, so berichtet es der Evangelist Matthäus, schickt Jesus seine Jünger in alle Welt, damit sie Menschen lehren, zum Glauben bringen und taufen. Und dieser sogenannte Taufbefehl (Matthäus 28,18-20) endet mit der Zusage des auferstandenen Christus: „Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Dies ist das letzte Wort Jesu an seine Jünger. Dann haben sie ihn nicht mehr gesehen.

Viel hatten die Jünger mit Jesus erlebt. Sie waren gemeinsam durch das Land gezogen. Jesus hatte Kranke geheilt und sogar Tote wieder zum Leben erweckt. Er hatte gepredigt und diskutiert. Er hatte mit ihnen gebetet und schließlich mit ihnen das Abendmahl gefeiert. Viele Worte hatten sie aus seinem Mund gehört. Alltägliche Worte und solche, die sie nie vergessen werden.

Und dann wurde Jesus gefangen genommen und am Kreuz hingerichtet. Aus Angst um ihr eigenes Leben waren die Jünger geflohen. Sie hatten Jesus alleingelassen, waren nicht bei ihm geblieben. Einsam und verlassen fühlten sie sich. Jesus war nicht mehr unter ihnen. Und als sie dachten, durch den Tod sei diese Trennung endgültig, gäbe es keine Gemeinschaft mehr, stand Jesus als Auferstandener mitten unter ihnen. Er hatte die Macht des Todes besiegt. Der Tod war nun nicht mehr das endgültige Aus. Wer gestorben ist, kann leben. Jesus hatte es bewiesen.

Da freuten sich die Jünger. Jesus lebte. Ihr Glaube war nicht vergeblich. Aber Jesus war anders. Er lebte nicht mehr im Alltäglichen mit ihnen zusammen. Er zog nicht mehr mit ihnen über Land und heilte und predigte. Er war nicht zurückgekehrt in das normale Leben. Jesus war nicht auferstanden, um erneut auf den Tod zuzugehen. Er war durch den Tod hindurchgegangen in ein neues und unendliches Leben. Das war nicht leicht zu verstehen für die Jünger. Deshalb kam Jesus als Auferstandener einige Male zu seinen Jüngern.

Und schließlich schickte Jesus sie in die Welt: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ Und dieser Taufbefehl endet mit der Zusage „Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Die Gemeinschaft mit Jesus ist nun anders als vorher. Sie sehen ihn nicht mehr, aber sie spüren seine Nähe. Sie spüren diese Nähe im Leben und im Sterben, ja selbst im Tod, der so für sie zum Tor in ein neues Leben wird, wie sie es an Jesus selbst gesehen haben.

Natürlich gilt diese Zusage Jesu nicht nur den ersten Jüngern Christi, denn die sind alle lange vor dem Ende der Welt gestorben. Sondern diese Zusage gilt allen, die sich zu Jesus Christus, dem Auferstandenen halten. Sie galt und gilt damit auch uns, die wir in seinen Tod und seine Auferstehung getauft wurden. Christus verlässt uns nicht in den Höhen und den Tiefen eines Lebens. Er verlässt uns nicht im Sterben und im Tod, sondern trägt uns durch den Tod ins Ewige Leben. Jesus Christus hat es uns in der Taufe zugesagt und er hält es.

Wenn wir uns nun an unsere Taufe erinnern und damit daran, dass wir Getaufte sind, erinnern wir uns nicht in erster Linie an das Fest, nicht an die Handlung, sondern an diese Zusage Gottes für unser Leben und Steben. Wir erinnern uns, dass wir in Gemeinschaft mit Jesus Christus, in Gemeinschaft mit Gott leben dürfen, weil er uns diese Gemeinschaft schenkt. Das gibt Kraft und Mut für das Leben in seinen schönen und seinen schweren Stunden. Das gibt selbst Kraft, Mut und Trost im Angesicht des Sterbens und des Todes.

Darum feiere ich gerne meinen Tauftag. An ihm hat Gott mir ganz persönlich zugesagt, dass ich hier und ewig leben darf, dass er mich bis in alle Ewigkeit geborgen hält in seiner unendlichen Liebe.

Der auferstandene Christus spricht: „Und siehe ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“

Ich wünschen Ihnen viel Glaubensgewissheit aus der Zusage Ihrer Taufe, an die wir uns heute erinnern.
Ihr Pfarrer Johannes Beer

(Foto: Taufstein von 1564 in der St. Johanniskirche in Herford)