Herford-Mitte https://herford-mitte.de "Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe" (1. Korinther 16,14) Fri, 16 Feb 2024 10:54:21 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.3 https://herford-mitte.de/wp-content/uploads/2016/04/cropped-kirche-herford-mitte-icon-32x32.png Herford-Mitte https://herford-mitte.de 32 32 Angedacht zum Sonntag Invocavit 18.Februar 2024 https://herford-mitte.de/2024/02/angedacht-zum-sonntag-invocavit-18-februar-2024/ Sat, 17 Feb 2024 23:01:00 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8743 Gottvertrauen in der Zeit der Versuchung

Man wird Essen suchen, wenn man Hunger hat, weil ein leerer Bauch Unangenehmen ist. Mit vollem Magen fühlt man sich wohl und damit kann man gut arbeiten. Aber wenn man satt ist und die anderen körperlichen Bedürfnisse schon erfüllt sind, wird man bestimmt nach Größerem verlangen und danach suchen, weil man seinen Träumen und Wünschen nachfolgen möchte.  Ohne das wird man keine Ruhe haben; diese Neigung nennt man Selbstaktualisierung. In uns, befindet sich eine bewegende Antriebskraft, die uns anstoßt, damit wir dem Ziel unseres Lebens nachfolgen, beziehungsweise es finden. Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche nennt diesen Willen: Der Wille zur Macht,  mit dem man dieses Leben mit seinen Absurditäten genießen kann. Aber was mag passieren, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher die Macht hat, kann das auch zum Wohlstand führen?

            Im Kindheitsevangelium nach Thomas ist Jesus als Kind als eine ganz andere Person dargestellt. Statt als ein liebes und freundliches Kind, wie es das Lukasevangelium beschreibt, als Jesus mit Gelehrten im Tempel über die Thora diskutiert, gefunden wurde, war  Jesus in dieser verbotenen Evangelium ein frecher Junge. Er wusste, dass er Kraft hatte, um  Wunder und etwas Besonderes machen zu können. Nicht selten verfluchte dieser Jesus jemanden bis zum Tod oder er tat jemanden Böses an, weil er sich an ihm rächen wollte. Jesus ist in diesem Evangelium ein Machtmissbraucher, der stolz ist, dass er die anderen in Aufregung und Angst versetzen kann.

            Aber in den apostolischen Evangelien, die wir als Basis unseres Glaubens benutzen, begegnen wir Jesus ganz anders. Nachdem er von Johannes im Jordan getauft worden war, wurde er anschließend vom Teufel versucht, die Macht zu missbrauchen. Der Satan überredete ihn, jedoch gab er aber nicht nach. Er musste die schwierigste Prüfung  ablegen, bevor er seine öffentliche Arbeit als Rabbiner und Thoralehrer begann. Davor hatte er schon vierzig Tage gefastet, deshalb war er  müde, hungrig und zugleich erschöpft. In diesem Zustand konnte er trotzdem sein Bewusstsein noch behalten, deswegen hat er die Prüfung mit ,,besten Noten’’ bestanden. Er erkannte die Falle und die Schlingen des Teufels, weil er geistlich stark und weise war. Das Schicksal der Welt ist von Jesu Antwort abhängig, wie der Text im Matthäusevangelium 4,1-11 geschrieben ist.

1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. 2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. 4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« 5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« 7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« 8 Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. 10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: »Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.« 11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm (Matt 4,1-11)

Jesus konnte die Quarantäne überstehen, und am Ende dieser vierzigtägigen Zeit kam ihm der Versucher entgegen. Als er an der Grenze seiner Kraft war, konnte er aber die Ruhe bewahren.  Mit Weisheit und vollem Gottesvetrauen konnte er alle Versuchungen überwinden. Mit verführerischen Worten bat der Satan ihn, eine dramatische Aktion zu zeigen, denn der Teufel wusste, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist. Gott hat zuvor, nachdem Jesus von Johannes getauft worden war, eine Erklärung gemacht, dass er sein geliebter Sohn ist. Jesus besitzt einen Sonderstatus, er hat Kraft Wunder zu machen. Wenn er will, wird das entstehen, was er befiehlt. Der Satan wollte, dass Jesus diese Kraft und Macht missbraucht, indem er den Zuspruch Gottes betätigen würde, um etwas Großes und Wunderbares zu machen.

Zuert überredete ihn der Teufel, sein körperliches Elend und die Hungersnot der Menschenheit zu beseitigen. Dadurch würde er als Held anerkannt. Aber Jesus ließ sich nicht damit besiegen, weil er nicht Gottes Welt  zerstören wollte, nur um satt zu sein. Und Jesus erkannte auch die Gefahr der Sättigung und des Wohlstandes, denn die Menschen werden schnell Gott und seine Gaben und Segen vergessen. Das Leben ist nicht nur vom täglichen Brot abhängig, sondern auch von Gottes Wort. Dieses Wort hat alles ins Leben gerufen, und durch dieses Wort ist alles sehr gut geworden.

Der Satan aber hörte nicht auf, er möchte, dass Jesus Gottes Treue überprüft, ob der Almächtige sein Versprechen halten wird, wie er in der heiligen Schrift erklärt hat. Jesus antwortete, dass Gottes Wort Kraft hat, und jetzt wollte der Versucher prüfen, ob Jesus an Gott glaubt. Er zitierte einen Vers der heiligen Schrift, und möchte sehen, dass Jesus das wahr nimmt. Jesus aber lehnte ab. Er wollte nicht Gott missbrauchen, als wäre seine Macht abhänggig von dem Wunder das er tut, wie es ein Beter oder ein Anbeter verlangt. Für Jesus ist Glaube kein Werkzeug Gottes Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen. Bibelverse sind kein Zauberspruch, mit dem man die Kraft Gottes bewegen kann, um etwas Erstaunliches zu zeigen und zu erleben.

Bei dem lezten Test hat Satan sein wahres Gesicht gezeigt. Er versprach Jesus alle Reiche und alle Herrlichkeit der Erde, wenn er vor ihm niederkniet und ihn anbetet. Er ist sich sicher, dass er von Jesus angebetet wird, weil er sich sicher ist, würdig zu sein, Anbetung, Lob und Preis zu erhalten. Der Satan wollte Gottes Thron und Herrlichkeit errobern, deshalb versucht er immer Menschen und verspricht ihnen Macht, Reichtum, Ehre und Ruhm zu schenken. Viele Menschen sind wegen dieser Versuchung in Satanismus geraten, obwohl sie wissen, dass diese Religion gefährlich ist, aber aufgrund der Gier, vergessen sie alle Konsequenzen, solange sie reich und mächtig sind. Viele Menschen, wie Dr. Heinrich Faust im Goethes Werk, dieser Versuchung nicht widerstehen können,  haben sogar manche davon ein Bündnis oder Pakt mit dem Bösen abgeschlossen. Satans Versuchung ist verführerisch, und manchmal kommt sie in so feiner Weise, dass es schwierig ist zu erkennen, ob sie von Satan oder von Gott ist.

An diesem Sonntag Invocavit, der bedeutet: Sonntag des Rufens, erinnert uns das Gebet, dass Jesus uns gelehrt hat. Das lautet: ,,Und führe uns  nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!” Jesus hat auch darauf hingewiesen, dass man irgendwann und irgendwo der Versuchung nachgeben kann, als er seinen Nachfolgern im  Garten Getsemanie sagte: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Solange wir noch leben, lauern die Versuchungen für uns immer wieder, und gelegentlich verlieren wir den Kampf. Wir können die Versuchungen nicht vermeiden, aber mit dem Glauben und dem Gottesvertrauen können wir ihnen widerstehen. Und wenn wir während dieser Fastenzeit anstreben, unser religiöses Ziel zu erreichen, sind wir daran erinnert, uns nicht auf unsere Kraft zu verlassen, sondern auf Gottes Liebe und seine Barmherzigkeit. Amen.

Ihr Pfarrer Albert Purba

Abbildung : https://pixabay.com/de/illustrations/jesus-gegen-teufel-8461783/

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An(ge)dacht zum Sonntag Estomihi am 11. Februar 2024 https://herford-mitte.de/2024/02/angedacht-zum-sonntag-estomihi-am-11-februar-2024/ Sat, 10 Feb 2024 23:01:00 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8619 Mag Gott unsere Gottesdienste?

Es war einmal eine Gemeinde, die feierte gerne Gottesdienst. In einem prachtvollen Haus kam sie zusammen. Groß war es und verschwenderisch ausgestattet. An kostbarsten Materialien hatte man an keiner Ecke gespart, so dass alles nur so vor Gold funkelte. Ausschließlich die berühmtesten Künstler und besten Handwerker hatten mitarbeiten dürfen.

Genauso waren auch die Gottesdienste dieser Gemeinde. Die größten Kerzen brannten. Wunderbare Blumen zierten den Raum. Wohlklingende Musik ertönte, von den besten Musikern des Landes auf teuersten Instrumenten hervorgebracht. Ein berühmter Chor sang geistliche Lieder. Und der Geistliche trug kostbar bestickte Gewänder.

Im Alltag arbeiteten die Damen und Herren dieser Gemeinde hart für ihren Unterhalt und um ihren Wohlstand zu mehren. Sie lebten nach den üblichen Regeln und Gesetzen, aber die Sicherung und Mehrung des persönlichen Reichtums war ihnen das Wichtigste. Dafür wurden dann die Gesetzeslücken und Grauzonen eifrig ausgenutzt.

Und so kam es, dass einige die dieses Spiel der Ellbogen nicht so gut beherrschten, ausgenutzt wurden und auf der Strecke blieben. Soziale Aufgaben wurden an den Rand gedrängt. So war das Leben in dieser Gemeinde im Alltag durch Rücksichtslosigkeit geprägt.

Eines Tages nun hatte sich diese Gemeinde wieder in ihrem Gotteshaus versammelt, um einen herrlichen Gottesdienst zu feiern. Gerade als der Geistliche in seiner Predigt der Gemeinde sagte, dass Gott diese Gemeinde und ihren Reichtum besonders möge, sprang in der letzten Reihe ein Mann auf. Amos hieß er. Aufgeregt fuchtelte er mit den Armen. Mit kreischender Stimme schrie er, was wir im 5. Kapitel des Buches Amos lesen.

„Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen – es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert?“ (Amos 5,21-24)

Die Gemeinde war entsetzt. Hatte ihr Geistlicher nicht gerade das Gegenteil verkündet. Und nun trat dieser Fremde auf und behauptete im Namen Gottes zu reden. Und doch war da etwas, so dass Amos Gehör fand.

Noch mehr war die Gemeinde entsetzt über den Inhalt: Gott hasste ihre schönen Versammlungen und Gottesdienste? Er selbst hatte diese Gottesdienste geboten. Und nun hasste er die schönste Vollendung des Gottesdienstes?

Wir stehen als Zuschauer etwas abseits und meinen: „Ja, so ist es richtig. Eure Gottesdienste waren verlogen, denn euer Alltag und eure Gottesdienste klafften weit auseinander.“

Wie weit können wir aber abseits stehen? Sicher, nicht in jedem Gottesdienst haben wir Chor und Orchester. Unsere Orgel ist, bei aller Pracht, nicht das größte und teuerste Instrument des Landes. Unser Gesang ist nicht immer schön oder inbrünstig. Und unsere Kirchen sind nicht die kostbarsten Gebäude.

Stehen wir aber schon abseits, bloß weil wir weniger vollendet Gottesdienst feiern? Wie steht es denn mit unserem Alltag im Verhältnis zum Gottesdienst?

Erinnern wir uns an viele Wege durch unsere Stadt. Rücksichtslosigkeit und Brutalität nehmen im Straßenverkehr immer mehr zu. Erinnern wir uns an die Konkurrenz zwischen Nachbarn und Kollegen. Erinnern wir uns an unseren eigenen Egoismus. Wir finden immer tausend Gründe, wenn sie auch oft fadenscheinig sind, warum gerade wir an dieser Stelle nicht sparen und verzichten müssen oder können. Arbeit wollen wir wohl abgeben, aber auf Lohn zu verzichten, fällt äußerst schwer. Jede Sozialleistung wollen wir haben, aber kosten darf das nichts. Der Staat soll alles zahlen, aber bitte auch die Steuern senken, zumindest meine.

Nun, ich meine, dass auch bei uns oft das Recht des Stärkeren regiert. Auch wir leben an vielen Punkten unsozial. Auch bei uns erscheint eine Kluft zwischen Gottesdiensten und Alltag. Es wird eine Linie gezogen zwischen dem heilen Christentum und der harten Wirklichkeit.

Aber diese Grenze ist falsch. Sie darf und kann es nicht geben. Wer sonntags in die Kirche geht und dort seinen Glauben bekennt, der darf ihn alltags in der Welt und vor der Welt nicht verheimlichen. Wer sonntags in der Kirche betet, darf nicht im Alltag diesem Gebet zuwiderhandeln. Wer sonntags für andere Menschen betet, muss alltags für sie handeln. Unser ganzes Leben soll zu einem andauernden Gottesdienst werden. Wenn wir unser Beten als Handeln fortsetzen und unser Handeln mit Gebeten begleiten, dann gibt es keine Kluft mehr zwischen Gottesdienst und Alltag.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Gottesdienste in der Kirche und im Alltag!
Ihr Pfarrer Johannes Beer

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An(ge)dacht zum Sonntag Sexagesimae, 04.02.2024 https://herford-mitte.de/2024/02/angedacht-zum-sonntag-sexagesimae-04-02-2024/ Sat, 03 Feb 2024 23:01:00 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8690 … denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig 2. Korinther 12, 9

In seinem Brief an die Korinther reagiert der Apostel Paulus auf Vorwürfe, die ihm von anderen hinsichtlich seiner Qualitäten als Apostel gemacht werden. Die Art und Weise wie er sich gegen diese Anwürfe zur Wehr setzt, ist schon bemerkenswert:  Er schreibt der Gemeinde von Korinth ganz offen von einem „Pfahl im Fleisch“, der ihn immer wieder dazu zwingt, seine Grenzen anzuerkennen. Dieses Gebrechen verhindert es, sich anderen überlegen zu fühlen. Denn er, Paulus, wird damit leben müssen, dass Menschen über ihn lachen oder ihn nicht ernst nehmen, wenn er stotternd das Evangelium verkündet.

Er wird auch weiterhin damit leben müssen, dass es epileptische Anfälle in seinem Leben geben wird, die ihn zu Boden reißen und denen er hilflos ausgeliefert ist. Er muss damit leben, dass auch er ein Mensch ist, dessen Kräfte begrenzt sind, der aufgrund dieser Schwachheiten nicht so kann, wie er möchte. Das ist eine bittere Erfahrung und gerade dann ganz besonders bitter, wenn man – wie der Paulus – erkennen muss, dass sich daran nichts ändern wird und man damit zu leben hat. Wie ist es nun möglich, dass der Paulus unter dieser Erfahrung nicht zusammenbricht und sich resigniert zurückzieht? Die Antwort auf diese Frage wird uns durch Christus selbst gegeben, der Paulus folgendes wissen lässt:

„Lass dir an meiner Gnade genügen. Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Lass dir an meiner Gnade genügen! Es soll die Gnade Christi genügen – und er soll darauf vertraut werden, das sie genügt. Wofür aber soll sie genügen?

Es geht ja um das Werk des Apostels: es geht darum, Gemeinde zu bauen und das Wachsen der Gemeinde zu befördern, damit sie so befähigt wird, Zeugin in der Welt zu sein für das Evangelium Jesu Christi. Paulus erlebt gerade hinsichtlich dieser Aufgabe seine Schwachheit, denn er erkennt hier in Korinth, dass seine Arbeit als Apostel nicht von Erfolg gekrönt ist. Diese Erfahrung hat ihn aber nun in eine bedeutsame und entlastende Erkenntnis geführt: Im Dienst am Evangelium braucht er sich dieser Schwachheit nicht zu schämen; er kann sogar darauf verzichten, sich den Anschein von Stärke zu geben. Er kann darauf verzichten mit den Qualitäten anderer zu konkurrieren. Er soll nur eines tun als ein Apostel Christi: Zeugnis ablegen. Und er muss sich keine Gedanken darüber machen, was bei seiner Arbeit herauskommen wird oder nicht, dafür ist nicht er verantwortlich.

Ihm ist durch dieses Wort Christi klargeworden, dass  Christus als der Herr der Gemeinde für den Erfolg seiner Arbeit selbst die Verantwortung übernehmen wird. Diese heilige höchst unverantwortliche Verantwortung hinsichtlich des Ertrages oder Erfolges seiner Arbeit ist die in seiner Schwachheit verborgene Kraft. Von keiner anderen Arbeit in unserer Welt ist so zu reden, kein Werk des Menschen lebt aus dieser Kraft.

Indem Christus als Herr der Gemeinde bekannt und bezeugt wird, indem man sich einzig und allein an ihn und an sein Wort hält, kann sich Paulus, können aber auch wir als christliche Gemeinde uns ganz sorglos und mit Heiterkeit diesem Dienst hingeben und gerade darin gewiss sein, dass in uns die heimliche aber in ihrer Heimlichkeit unheimliche Kraft Christi wirkt.

Amen

Ihre Pfarrerin G. Steinmeier

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Sarah Vecera im Lutherhaus – verschoben auf 20.02.2024 https://herford-mitte.de/2024/01/sarah-vecera-im-lutherhaus-verschoben-auf-20-02-2024/ Tue, 30 Jan 2024 08:45:16 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8678 Die für heute, 30.01.2024 geplante Veranstaltung mit Sarah Vecera im Lutherhaus muss leider auf Dienstag, 20.02. von 14-18 Uhr verschoben werden.

Zur besseren Planung bittet das Diakonische Werk um Anmeldung bei Meike Gohrke, 05221-599840.

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Gemeindeversammlungen https://herford-mitte.de/2024/01/gemeindeversammlungen/ Sun, 28 Jan 2024 10:09:11 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8641 Die Kirchengemeinden Elverdissen, Herford-Mitte, Herringhausen und Laar machen sich zusammen auf den Weg in die Zukunft. Vor dem Hintergrund der gemeinsamen, großen Herausforderungen haben die Gemeinden mit Kooperationsgesprächen begonnen, die zu einer sehr guten Zusammenarbeit geführt haben. Die Presbyterien der vier Gemeinden haben daher beschlossen, die Gespräche mit dem Ziel einer Vereinigung der Gemeinden zum 1. Januar 2025 zu führen. Dieser Weg und das Ziel wird den Gemeindegliedern in Gemeindeversammlungen vorgestellt werden, durch die jeweils Superintendent Dr. Olaf Reinmuth führen wird.

Herzliche Einladung an alle Gemeindeglieder:

Mittwoch, 31.1. – Kirchengemeinde Laar, (Laarer Straße 299)

Donnerstag, 1.2. – Kirchengemeinde Herringhausen (Zum Grünen Wald 12)

Dienstag, 13.2. – Kirchengemeinde Elverdissen (Turmstraße 51-53)

Montag, 19.2. – Kirchengemeinde Herford-Mitte (Gemeindehaus am Münster, Münsterkirchplatz 5)

Der Beginn ist jeweils um 18.00 Uhr.

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An(ge)dacht für den letzten Sonntag nach Epiphanias am 28. Januar 2024 https://herford-mitte.de/2024/01/angedacht-fuer-den-letzten-sonntag-nach-epiphanias-am-28-januar-2024/ Sat, 27 Jan 2024 23:01:00 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8616 zu Matthäus 17,1-9

Gottes Nähe spüren

Gott zu spüren, ist eine großartige Erfahrung. Gott ist ganz nah und hüllt einen Menschen in seine Gegenwart ein. Wie eine große schützende Wolke umgibt dieser Mensch Gottes Gegenwart. Unendlich geborgen und sicher fühlt sich der Mensch, der so etwas erlebt. Es ist vielleicht nur ein Augenblick. Doch er hat eine große Wirkung, denn dieser Mensch geht gestärkt und leichten, frohen Herzens zurück in den Alltag. Es ist ein wunderbares Erlebnis.

Petrus, Jakobus und Johannes machen eine solche Gotteserfahrung. Sie erleben etwas Unglaubliches, etwas Unerklärliches. Allerdings dürfen sie nicht darüber sprechen. Aber, wer hätte sie auch verstanden? Gotteserfahrungen sind sehr persönlich und im Grunde kann man sie nicht mit jemandem teilen.

Die Verklärung Jesu, die die drei Jünger miterleben, ist eine besondere Gotteserfahrung. Sie galt diesen drei Jüngern und doch haben wir alle heute noch daran Anteil. Auf unzähligen Bildern ist die Verklärung Jesu abgebildet worden, auf Kupferstichen, in alten Bilderbibeln, als Mosaik und auf Ikonen.

Lassen wir ein Bild vor uns entstehen: Ein hoher Berg ist zu erkennen. In der Mitte des Bildes ist leicht erhöht Jesus zu sehen. Alle Blicke werden sofort auf ihn gelenkt. Jesus ist verklärt, sein Aussehen ist verwandelt. Ein Strahlenkranz umgibt ihn. Hell strahlt seine Gestalt, sein Gesicht leuchtet. Rechts und links neben Jesus stehen Mose und Elia. Moses ist an den Gesetzestafeln zu erkennen, die er in der Hand hält. Auf seinem Kopf sind zwei Strahlen sichtbar, es sieht aus, als wäre Mose gehörnt. Die beiden Hörner oder Strahlen erinnern daran, dass Moses Gesicht strahlte und glänzte, wenn Gott mit ihm sprach. Sein Gesicht leuchtete so sehr, dass er eine Decke auf den Kopf legen musste, um niemanden zu blenden. Strahlen umgaben sein Gesicht, und diese Strahlen waren ein Abglanz von der Herrlichkeit Gottes.

Im unteren Teil des Bildes sehen wir die drei Jünger, die Jesus mit sich auf den Berg nahm: Petrus, Jakobus und Johannes. Voller Furcht sind sie dargestellt. Der Schreck über das, was sie erleben und mit ansehen, hat sie zu Boden geworfen. Das helle Licht, das von Jesus ausgeht, blendet sie und sie schützen ihre Augen. Und doch können sie nicht wegsehen. Das, was da geschieht, fasziniert sie und nimmt sie gefangen.

Petrus fasst sich als erster und sagt: „Herr, hier gefällt es uns. Wenn du willst, werden wir drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.“ Petrus erkennt, dass hier etwas ganz besonderes geschieht. Er erkennt Mose und Elia und er will den dreien Häuser bauen, einen Ort, wo man sie verehren kann.

Elia, der Prophet war ein besonderer Mensch, weil er nicht gestorben ist wie andere Menschen. Er wurde entrückt. In einem Wagen aus Feuer, gezogen von feurigen Pferden, wurde Elia in einem Wirbelsturm zum Himmel hinaufgetragen. Außerdem sah man in Elia den Vorläufer des Messias und wenn Elia erscheint, bedeutet das: Der Messias kommt, eine neue Zeit bricht an.

Mose vertritt das Gesetz. Er hat von Gott die Gesetze offenbart bekommt, er ist mit den Gesetzestafeln dargestellt. In der neuen Zeit, die anbricht, wird dieses Gesetz erfüllt und überwunden. So ist es verheißen.

Das alles weiß Petrus, als Mose und Elia erscheinen. Und er begreift, dass die beiden eine neue Zeit ankündigen. Diesen Augenblick will Petrus festhalten: „Wenn du willst, werden wir hier drei Hütten bauen.“

Doch noch während er redet, geschieht etwas zweites Wunderbares. Eine leuchtende Wolke überschattet sie. Die Wolke ist immer ein Zeichen, das Gott selbst da ist. Gott offenbart sich den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes. Gott spricht aus der Wolke: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören.“

Als Jesus getauft wurde, da sprach Gott vom Himmel herab die gleichen Worte. Gott bekennt sich zu seinem Sohn und offenbart, dass Jesus der Messias ist. Gott sagt: „Den sollt ihr hören! Ihm sollt ihr folgen.“ Das bekräftigt noch einmal, wie wichtig es Gott ist, dass die Menschen begreifen, wer Jesus ist: Jesus ist ein Mensch aus Fleisch und Blut. Er ist ganz Mensch mit allem, was dazu gehört: mit Freude und Kummer, mit Schmerz und Anfechtung. Aber zugleich ist er auch Gottes Sohn und damit Gott selbst, mit allem was dazu gehört: er hat Vollmacht, er kann das Gesetz erfüllen, er kann Sünden vergeben, er kann Wunder tun und von den Toten auferwecken.

Hört auf ihn! sagt Gott. Das, was Jesus sagt, sind Gottes Worte. Das, was Jesus tut, ist von Gott gewollt. Wer Gottes Herrlichkeit erfahren will, muss auf Jesus sehen und ihm folgen.

Petrus, Jakobus und Johannes hören die Stimme Gottes, sie sehen in Jesus Gottes Sohn und sie fallen vor Angst und Schrecken zu Boden. Das, was sie erleben, wirft sie um. Gott zu begegnen, wirft einen um.

Doch da tritt Jesus zu ihnen und berührt sie. Jesus rührt sie an, wie er Kranke und Tote anrührt, so wie er Kranke gesund macht und Tote auferstehen lässt. Und er spricht zu seinen Jüngern wie in einer Heilungsgeschichte: „Steht auf! Fürchtet euch nicht!“ Jesus tritt aus der Welt Gottes hinaus zurück in die irdische Welt. Er nimmt seinen Jüngern die Furcht und richtet sie auf. Petrus, Jakobus und Johannes wagen aufzublicken und sie sehen niemanden außer Jesus. Alles ist wie vorher. Die Erscheinung, die Vision, die Gotteserfahrung ist vorbei.

Sie gehen mit Jesus zurück den Berg hinab. Wie aufgeregt sie wohl gewesen sind! Sie haben Wunderbares, Unglaubliches erlebt und sie werden darüber gesprochen haben. Ich kann mir vorstellen, wie ihre Herzen geklopft haben und sie durcheinander gesprochen haben. Jeder will das Erlebte loswerden. Die Gefühle sind so stark, dass sie sie nicht für sich behalten können und sie brennen darauf, den anderen davon zu erzählen. Doch Jesus sagt ihnen: „Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“ Noch ist das Unglaubliche auch unbegreiflich. Noch ist die Stunde nicht da, dass alle begreifen, wer Jesus wirklich ist. Diese sehr persönliche Erfahrung ist anderen nicht so ohne weiteres glaubhaft zu machen.

Petrus, Jakobus und Johannes gehen zurück in die Wirklichkeit, in den Alltag mit all seinen Mühen und Plagen. Doch sie nehmen etwas mit. Sie haben Gottes Herrlichkeit gesehen. Das verändert ihren Alltag. Auch wenn niemand versteht, was sie erlebt haben, ist es doch für sie ungeheuer wichtig zu wissen, dass in Jesus Gottes Sohn mit ihnen geht.

Gott zu spüren, ist eine großartige Erfahrung. Es ist sehr persönlich und für Außenstehende vielleicht unverständlich und unakzeptabel. Aber das macht nichts. Wichtig ist, was ich erlebt und erspürt habe. Es ist etwas, was nur mir gehört und was mich gestärkt an Leib und Seele sicherer in die irdische Welt zurückgehen lässt.

Möge Ihnen die Herrlichkeit Gottes erscheinen!
Ihre Pfarrerin Annette Beer

(Abbildung: Julius Schnorr von Carolsfeld: Die Verklärung Jesu, 1852-1860)

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Wir waren dabei! https://herford-mitte.de/2024/01/wir-sind-dabei/ Thu, 25 Jan 2024 08:40:00 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8638

Wir werden uns immer wieder gegen Faschismus und Rassismus einsetzen!

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Tschüss Frau Janßen! https://herford-mitte.de/2024/01/tschuess-frau-janssen/ Mon, 22 Jan 2024 10:49:33 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8627 Eins vorweg. Ich mag die Johanniskirche. Seit Jahren verbinde ich viele persönliche Erlebnisse, Erinnerungen und Geschichten mit ihr. Ziemlich oft flitze ich mal kurz in die Kirche. An heißen Sommertagen genieße ich gerne die Temperaturen, um mich einen Moment abzukühlen. Denn die Johanniskirche ist nicht nur schön, sie ist auch schön kalt. Ich erinnere mich gut, es ist schon endlos lange her ist. Mir war mal wieder sehr kalt. Während ich mich mit Frieren beschäftigte, traf ich Gudrun Janßen. Wir schwatzten eine kleine Runde und es ereilte mich ein erster kleiner Ratschlag, von vielen, die im Laufe der Jahre folgen sollten. „So kalt ist die Kirche nicht. Du musst dich einfach wärmer anziehen.“ So einfach kann es gehen!

Die Johanniskirche und Gudrun Janßen ein Doppelpack. Sie ist für mich ein fester Bestandteil in dieser Kirche und mehr als einmal hat sie mir auch bei Veranstaltungen im Frühherrenhaus hilfreich unter die Arme gegriffen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Gudrun Janßen in und um der Johanniskirche anzutreffen. Unkraut zupfen, Blümchen pflanzen, Müll rausstellen. Zahlreiche Aufgaben behielt sie im Blick. Weil ihr der große Rasenmäher viel zu schwer war, erfand sie eine neue Lösung.  Mit einem kleinen Elektromäher, den sie günstig beim Discounter für 50,00 DM kaufte, quälte sie sich, bis heute, Bahn für Bahn über die Grünflächen, mähte den Rasen. Doch damit nicht genug. Die Wiese war gestutzt. Der Herbst kam und mit ihm das viele, viele Laub von den schönen großen Bäumen. Ja, es ist lebendig, rund um die Johanniskirche. Bänke und Bäume laden zum Verweilen ein. Leider entsorgen nicht alle Gäste ihren Müll oder die Hinterlassenschaften ihrer Hunde. Allerdings scheute Frau Janßen sich nie, für Ordnung zu sorgen, den Dreck wegzumachen.

Bei alledem sind ihre ganzen Aufgaben als Küsterin in der Kirche nicht zu vergessen. Die offene Kirche täglich auf- und abschließen, den Schaukasten bestücken. Regelmäßig Gottesdienste vorbereiten. Anschließend aufräumen, die eigene Ordnung wiederherstellen. Auch der geschmückte Tannenbaum zaubert sich nicht von alleine in die Kirche. Zudem ist es immer wieder spannend, wie der Herrenhuter Stern an die Kirchendecke kommt.

Besonders ist mir jedoch folgendes, kleines  Bild im Gedächtnis: Gudrun Janßen sitzt in der Ecke, im Vorraum der Kirche, baumelt mit ihren Beinen, passt während des Gottesdienstes auf die Kirchentür auf.

Gleichwohl war sie immer zu einem netten Schwatz aufgelegt. Dank Gudrun Janßen weiß ich, wo ich das beste frische Sauerkraut in Herford bekomme. Denn bei all ihrer Arbeit als Küsterin, kümmert sich Gudrun Janßen auch noch um die eine oder den anderen, die ihre Hilfe brauchen. Sie schnappt sich ihr Fahrrad, kauft ein, ist mit aktuellen Angeboten immer auf dem Laufenden. Diese Aufgaben übernahm sie für einige Ältere auch mitten in der Corona-Pandemie. Während alle anderen in dieser Zeit im Haus blieben, ging sie jeden Abend tapfer um 18.00 Uhr zur Kirche und sorgte dafür, dass für uns die Glocken läuteten. Gudrun Janßen, eine Küsterin mit Ecken und Kanten, einfach unverwechselbar, hilfsbereit, zuverlässig. Eine Frau, die nicht so einfach aufgibt.

Am 06. Januar verabschiedeten wir Gudrun Janßen aus ihrem Dienst! Und wie immer, war die Johanniskirche wieder schön kalt.

Momentan sind das nur ein paar klitzekleine Erinnerungen von mir. Sie haben sicher viele andere Erlebnisse und Geschichten parat.  Allerdings ist das ist hier und heute, zum Glück,  kein Nachruf. Wir laufen uns in Herford bestimmt über den Weg. Ich bin mir sicher, dass Gudrun Janßen weiterhin viele diverse Aufgaben wahrnimmt. Spätestens im nächsten Supermarkt, gibt sie mir einen guten Tipp,  was heute im Angebot ist und was ich heute Abend kochen kann. Ich freue mich darauf. In diesem Sinne, Tschüss Frau Janßen, bis bald!

Bärbel Geisler-Hadler

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An(ge)dacht für den 3. Sonntag nach Epiphanias (21.01.2024) https://herford-mitte.de/2024/01/angedacht-fuer-den-3-sonntag-nach-epiphanias-21-01-2024/ Sat, 20 Jan 2024 23:01:00 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8622 Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. (Mt 8,8)

Liebe Gemeinde,

ich muss schon sagen, er imponiert mir, dieser Hauptmann von Kapernaum, von dessen Begegnung mit Jesus das Evangelium nach Matthäus im 8. Kapitel berichtet (Verse 5-13). Wir erfahren zwar nicht, wie er heißt, aber dennoch verrät uns die Erzählung einiges über seine Person.

Strebsam und äußerst diszipliniert muss er gewesen sein, sonst hätte er es in seiner militärischen Laufbahn nicht so weit gebracht. Als Hauptmann von Kapernaum steht er im Dienst der römischen Besatzungs-macht. Als Soldat hat er das Kriegshandwerk gelernt; er ist gewohnt Befehle zu empfangen und selbst Befehle zu erteilen. Er kennt sich aus in den Macht- und Herrschaftsstrukturen seiner Zeit und weiß um seinen eigenen Platz darin. Er ist eindeutig kein Jude, so viel stellt die Erzählung klar, sondern einer, von dem wir nicht wissen, nach welcher Religion er lebt.

Als Hauptmann hat er Leute unter sich, das bringt das Amt mit sich, und doch widerlegt er in der Erzählung alle Vorurteile, die ein befangener Leser ihm gegenüber hegen könnte. Oder hätten Sie erwartet, dass uns ausgerechnet in diesem Hauptmann von Kapernaum ein Mann entgegentritt, der sich als verantwortungsvoller Vorgesetzter um die Gesundheit seines Knechtes sorgt? „Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.“ (V.6)

Wie viel Gewalt und Brutalität muss dieser Mann im Laufe seines Dienstes schon gesehen und erlebt haben, und doch ist er darüber nicht hart geworden. Nein, das Schicksal seines Untergebenen rührt ihn vielmehr derart an, dass er die Gunst der Stunde nutzt, als Jesus nach Kapernaum hineingeht und ihn einfach anspricht und gleichsam um „Amtshilfe“ bittet. Nicht nur als Römer ist er angesichts der Leiden seines Knechtes nämlich mit seinem Latein am Ende. Es zeugt von der menschlichen Größe dieses Hauptmannes, dass er nicht nur um die Reichweite seiner Macht weiß (vgl. V. 9), sondern auch um deren Grenzen. Fürbittend tritt er hier bei Jesus, einem Mann aus dem unterworfenen und feindlich besetzten Land, für seinen leidenden Knecht ein – eine große Geste für einen hochstehenden Mann.

Die Antwort Jesu erfolgt prompt: „Ich will kommen und ihn gesund machen“ (V.7). Eigentlich könnte die Geschichte damit hier schon zu Ende sein – ist sie aber nicht. Vielmehr setzt der Hauptmann zu einer erstaunlichen Erwiderung an:

„Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.“ (V.8-9)

„Sprich nur ein Wort.“ Der Hauptmann erwartet von Jesus etwas ganz Konkretes. Und er traut Jesus alles zu, selbst eine Fernheilung auf dem „kurzen Dienstweg“. Bittet, so wird euch gegeben… In geradezu dreister Erwartung nimmt der Hauptmann dieses Angebot Jesu für sich und seinen Knecht in Anspruch. Das Schicksal des Knechtes legt er damit ganz in Jesu Hände; als Vorgesetzter gibt er seine Verantwortung für den Kranken an Jesus ab. Und auch wenn seine Bitte hier scheinbar im gewohnten Befehlston daherkommt, so ereignet sich in dieser Szene doch das genaue Gegenteil. In radikaler Umkehrung der vorfindlichen irdischen Machtverhältnisse unterwirft sich der römische Hauptmann der von ihm mit seinen Worten anerkannten Vollmacht Jesu, eines Mannes aus dem von den Römern unterworfenen Volk. „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“

Und seine Worte bleiben nicht ohne Wirkung, denn es heißt weiter: „Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!“ (V.10) Eine Wundergeschichte also – dieses Mal jedoch zunächst für Jesus. „Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.“ (V.13)

Wenn der Glaube spricht, dann fallen Grenzen: zwischen Oben und Unten, zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Freund und Feind. Dann zählt – wie zu Anbeginn der Schöpfung – nur noch der Mensch vor Gott. Und aus dem Fremden wird ein Mensch wie ich – ein Mitmensch, mein Bruder, meine Schwester. Dann werden auch viele „kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen“ (V.11). Ein Glaube, der Jesu Angebot beim Wort nimmt, der alles in seine Hände legt und alles von ihm erwartet: Sprich nur ein Wort … – grenzenloses Vertrauen!

In Jesus Christus begegnet uns das fleischgewordene Wort Gottes in Person. Ein Wort, das noch immer durch die Welt zieht, und Menschen aus allen Völkern und Nationen sucht, anspricht und in seine Nachfolge ruft. Tun wir es doch dem Hauptmann von Kapernaum gleich und bitten Gott, dass dieses alle Grenzen überschreitende Wort auch zu uns spreche und uns gebe, was ein jeder von uns am dringendsten braucht.

Amen.

Ihre Pfarrerin Dr. Gabi Kern

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SCHOAH-Gedenkgottesdienst am 04.02.2024 https://herford-mitte.de/2024/01/schoah-gedenkgottesdienst-am-04-02-2024/ Mon, 15 Jan 2024 10:53:14 +0000 https://herford-mitte.de/?p=8606 Am Sonntag, den 4.2. um 11:30 Uhr findet wieder ein Schoah-Gedenkgottesdienst in der Jakobi-Kirche statt. Dieser Gottesdienst ist einmal im Jahr, anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27.1.1945.

Katechumen*innen lesen u.a. Abschnitte aus dem Tagebuch der Anne Frank vor.

In unserer Gemeinde sprechen wir immer von „Schoah“ („Unheil, Katastrophe, Vernichtung durch Menschenhand“). Bekannter als diese hebräische Bezeichnung  ist das Wort Holocaust-Gedenken („Ganzopfer“) für dieselbe Sache, z.B. an jedem 27. Januar im Deutschen Bundestag.

Herzliche Einladung!

Mitwirkende: Pfarrer Andreas Smidt-Schellong, Katechumen*innen Gruppe, Organist Wolf-Eckart Dietrich

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