Angedacht zum Jahreswechsel 31.12.2023

“Time is money” – „Zeit ist Geld“ so sagt der alte englische Spruch. Aber kann man Zeit kaufen? Natürlich nicht, die Zeit wird einfach vergehen und ist vorbei. Aber wenn man in der richtigen Zeit wirkt und arbeitet, bekommt man etwas Gutes als Ergebnis. Wenn man im April kleine Erbeerpflanzen in die Erde steckt, wird man bestimmt eines Tages im Juni die Früchte pflücken, und wenn man Kurbiskerne im Winter sät, wird man auf jeden Fall keinen Kurbis im Herbst ernten. Es gibt keine Bremse, wodurch man die Sonne stoppen kann. Wir können Termine oder Verabredungen absagen. Man kann das Kalendersystem wechseln oder die Uhr vor oder zurückstellen stellen, aber die Zeit geht weiter, weil Tag und Nacht  im Wechsel kommen. Die Zeit kann man weder sparen noch wiederholen. Aber in der Zeit, ob  gut oder nicht, hat man Gelegenheit seine Träume und Wünsche zu verwirklichen oder ihnen zu folgen.

Aber was ist eigentlich die Zeit? Gibt es sie? Man kann sie nicht anfassen, aber man schafft Zeit als Maßtab, damit man die Länge oder die Dauer eines Ereignisses bestimmen oder begrenzen kann. Durch die Erfindung der Zeit, schreibt man Geschichte. Wir regulieren Zeit mit der Zeiteinheit, jedes Volk hat seine eigene. Laut dem gregorianischen Kalender leben  wir im Jahr 2023 und bald im Jahr 2024, aber im chinesischen Kalender ist dieses Jahr 2574. Die Zeit ist ein Ausdruck im Bewusstsein des Menschen, dass wir sterblich und vergänglich sind; aber damit können wir auch unser Leben mit Planen, Arbeit, Festen und Ritualen organisieren. Von daher ruft der Psalm: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Im Zusammenhang mit dem Begriff Zeit, taucht ein Prediger auf der Lebensbühne auf und  erinnert uns daran, dass: Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde (3,1).   Dieser unbekannte Prediger, der in Hebräisch Kohelet genannt wird, hat das Leben und die Zeit auf den Punkt gebracht, dass nichts ewig ist. Man muss wissen, dass es immer auch ein Gegenteil von einem Ding gibt. Ohne Geburt gibt es keinen Tod. Man weiß nicht zu weinen, wenn man nie lacht. Wie kann man Frieden aufbauen, wenn es keinen Krieg gäbe? Das Eine braucht das Andere, und dadurch ist das Leben vollkommen. In der chinesischen Philosophie und Kultur  beschreibt man diese Realität mit einem Symbol, das sogenannte “Yin-Yang” Symbol. Das heißt, dass es keine reine Realität gibt, ohne die Anwensenheit des Anderen. Das Eine kann existieren solange es mit seinem Gegenteil auf dem Weg zusammen ist. Die Realität bringt Positives und Negatives mit sich.

,,Ein jegliches hat seine Zeit!” dieser Spruch ist sehr bekannt, sogar außerhalb der biblischen Tradition. Das ist ein weltweites Wissen, Christ oder nicht Christ; religiös oder Atheist. Der Prediger lädt uns ein, unser Leben und unsere Zeit zu meditieren, damit wir echte Menschen sein können.   Wenn die Zeit kommt, wird man eine Situation betreten, worin man keinen Kalender, keine Uhr oder Notizbuch zum Termin-Eintragen braucht. Der Stärkste sowie der Schwächste wird ein gleiches Schicksal erleben, und zwar den Tod. Die Zeit ist wichtig solange man noch lebt, weil wir damit unser Leben ordnen, aber der Tote braucht gar keine Zeit.

Das begrenzte Leben beunruhigt uns, weil wir nicht wissen, was danach passieren wird, jedoch wer Glauben hat, hat auch einen Grund zum Vertrauen, und deshalb hat auch die Geborgenheit im Herzen, so lautet die Botschaft in unten stehenden Lied:

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Dieses Lied zeigt uns das Vertrauen des Dichters, der an Gott glaubt, dass er in Gott das Heil erhalten und erleben wird. Zugleich ist  die Lyric für uns eine Einladung, wodurch wir reflektieren und meditieren können, dass unser Leben nicht nur unser ist, sondern auch Gottes, unseres Schöpfers. Er hat uns geschaffen, deshalb weiß er ganz genau, was für uns gut und wichtig ist. Mit Gott können wir den Sinn und das Ziel unseres Lebens erkennen und entdecken. Gerade heute in diesem Jahresweschel.

Bald wird das Jahr 2023 vorbei, und eine Geschichte geworden sein, und zugleich sind wir ein Jahr älter geworden. Wir kommen ans Ende des Lebens, obwohl wir nicht wissen, wann das passieren wird. Wir haben viele Erfahrungen in 365 Tagen gemacht, entweder fröhliche oder entmutigende. Wenn wir einen Blick zurück werfen, sind wir vielleicht erstaunt und verwundert, weil wir uns heute und hier befinden? Vielleicht sind einige von uns betrübt, denn sie mussten in diesem Jahr so viel Leid durchmachen, oder manche sind besogrt, weil die Realität so grausam aussieht. Wir können Fragen stellen: Was ist der Zweck unseres Befindens, gerade in dieser Gesellschaft, in diesem Land. Wir wissen doch, dass wir kein Zufall der Geschichte sind, es muss einen Grund gteben, warum wir hier und nicht in einem anderen Land und Zeitraum leben.

Das Leben ist wie eine Reise in einer dunklen Nacht, wir sehen nicht das Ende des Weges, aber solange wir in der Hand eine Fackel haben  wissen wir das Ziel der Reise. Wir können nicht alles auf einmal begreifen, aber wenn wir Glauben und Vertrauen haben, gehen wir mit Sicherheit weiter voran, denn wir wissen, dass die Liebe Gottes mit uns geht und sein Segen hört nie auf zu fließen; deswegen verlassen wir das alte Jahr mit Dankbarkeit und treten in das Neue mit Freude und Hoffnung.

Ich wünsche uns und Ihnen einen guten Rutsch und ein gesegnetes, gesundes, erfolgreiches, neues Jahr.

Ihr Pfarrer: Albert Purba