An(ge)dacht zum letzten Sonntag nach Epiphanias am 31.1.2021

2. Petrus 1,16-19
Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

Ihr Lieben,

wie wird man eigentlich zum Liebling der Massen?

In diesem Jahr sind ja etliche Wahlen in Deutschland und auch außerhalb unseres Landes haben wir etliche Beispiele, was Menschen alles dafür tun, um beliebt zu sein. Manche Politikerinnen und Politiker, Showleute und viele andere wollen Liebling der Massen sein und legen es darauf an. Und so reden sie den Leuten nach dem Munde. Sie schauen dem Volk aufs Maul, um es mit einem Dauerlutscher zu stopfen. Sie leben eine Märchenwelt vor, versprechen das Blaue vom Himmel und verkünden Fabeln und alternative Fakten, nur um Erfolg und Ansehen zu haben.

Wenn jemand allerdings, die ungeschminkte und manchmal bittere Wahrheit sagt und seine Aussagen einem Faktencheck unterziehen lässt, kann sie oder er damit nie solche demagogischen Erfolge haben. So wird man nicht zum Liebling der Massen.

So ist das heute und so war das damals zur Zeit der Apostel. Und genauso bauernfängerisch zogen eine ganze Reihe von Predigern unterschiedlichster Prägung durch die Lande und warben für jeweils ihre Religion oder Sekte. Und die, vor die die Predigenden kamen, mussten unterscheiden. Sie mussten, um nicht hereinzufallen, Kriterien finden, nach denen sie das Vorgetragene beurteilen konnten.

Den christlichen Predigern ging es dabei nicht anders als allen anderen, die eine neue Religion verkündeten. Man stelle sich das einmal unvoreingenommen vor, wie da Petrus, dieser Fischer vom See Genezareth, in den Weltstädten auftrat. Ein einfacher, vielleicht etwas unbeholfener Mann kam vom Rande der damaligen Welt aus einem unbedeutenden Volk mit einer sonderbaren, unbekannten Religion. Er trat auf und verkündete, dass einer dieses kleinen abgelegenen Volkes und dieser Religion, einer der am Kreuz hingerichtet worden war, Herr der ganzen Welt sein soll.

Wen wundert es, dass die Weltgewandten, die Mächtigen und die Reichen sich amüsierten und das Vorgetragene im besten Falle noch für gute unterhaltsame Fabeln hielten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass an diesen Erzählungen etwas dran war. Sie hatten ihre Kriterien zur Beurteilung gefunden und das Evangelium von Jesus Christus danach als zu leicht befunden und verworfen.

In diese Situation hinein ist dieser Text aus dem 2. Petrusbrief geschrieben. Er verteidigt das Evangelium von Jesus Christus, denn es ist keine ausgeklügelte Fabel. Er ruft Gott selbst dafür in den Zeugenstand, indem er an die Verklärung auf dem Berg Tabor erinnert. (Matthäus 17,1–9)

Jesus steht auf einem Berg und ist von Licht erfüllt, so dass er zu leuchten beginnt. Elia und Mose sind zu ihm getreten. Die drei Jünger, die Jesus mit sich auf den Berg nahm, Petrus, Jakobus und Johannes, sind voller Furcht. Der Schreck über das, was sie erleben und mit ansehen dürfen, hat sie zu Boden geworfen. Das helle Licht, das von Jesus ausgeht, blendet sie, und sie schützen ihre Augen. Und doch können sie nicht wegsehen. Das, was dort geschieht, fasziniert sie und nimmt sie gefangen.

Petrus fasst sich als erster. Er begreift, dass hier etwas ganz Besonderes geschieht. Er erkennt Mose und Elia. Und er will diesen einzigartigen Augenblick festhalten. Elia wird als Vorläufer des Messias verstanden. Sein Erscheinen bedeutet, dass der Messias kommt und eine neue Zeit anbricht. Mose mit seinen Tafeln der Zehn Gebote vertritt das Gesetz. In der neuen Zeit, die anbricht, wird dieses Gesetz erfüllt und überwunden.

Das alles hat Petrus im Hinterkopf, als Elia und Mose erscheinen. Er begreift, dass die beiden eine neue Zeit ankündigen. Und es geschieht etwas zweites Wunderbares: Eine Lichtwolke überschattet sie alle. Die Wolke ist immer ein Zeichen dafür, dass Gott selbst gegenwärtig ist. Gott offenbarte sich Mose in einer Wolke, und in einer Wolkensäule zog Gott vor dem Volk Israel her, als er sie aus Ägypten führte. Auch hier in dieser Erzählung erscheint Gott selbst in dieser Wolke. Gott ist nicht sichtbar, aber seine Stimme spricht aus der Wolke: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!“ Gott bekennt sich zu seinem Sohn. Er offenbart, dass Jesus sein Sohn, der Messias ist.

Die Jünger, Petrus, Jakobus und Johannes, hören die Stimme Gottes, sie sehen in Jesus Gottes Sohn und fallen vor Angst und Schrecken zu Boden. Das, was sie da erleben, wirft sie um. Gott zu begegnen, wirft einen um. Doch Jesus tritt zu ihnen und berührt sie. Jesus rührt sie an wie er Kranke und Tote anrührt, so wie er Kranke gesund macht und Tote auferstehen lässt. Und er sagt zu seinen Jüngern wie in den Heilungsgeschichten: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Auch darin wird er als Gottes Sohn erkennbar. Er tritt aus der Welt Gottes heraus zurück in die irdische Welt. Er richtet seine Jünger auf. Er nimmt ihnen die Furcht. Petrus, Jakobus und Johannes wagen es, ihre Blicke wieder aufzuheben und sie sehen niemanden als Jesus. Alles ist so wie vorher. Die Erscheinung, die Vision, das, was sie erlebt haben, ist vorbei.

Petrus, Jakobus und Johannes gehen zurück in die Welt, in den Alltag mit all seinen Mühen und Plagen. Doch sie nehmen etwas mit: Sie haben Gottes Herrlichkeit gesehen und sie wissen, Gottes Sohn, der, der die Welt heil macht, geht mit ihnen.

Und das ist keine ausgeklügelte Fabel, sondern die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Noch ahnen es viele Menschen nicht, aber dereinst wird es für alle offenbar werden.

Amen.

Ich wünsche Ihnen diese Begleitung des kommenden Herrn durch unsere schwierige Zeit, so dass Sie hoffnungsvoll und fröhlich sein können!

Ihr Pfarrer

Johannes Beer